Die Schulden in den Griff bekommen, Schulden abbauen, keine weiteren Schulden machen, kurz: die Schulden sind schuld. Mantras im Diskurs über Ursachen der und Auswege aus der seit 2007 offensichtlichen Krise. Für mich stellt sich dann immer die Frage, wie sich diejenigen, die Schulden verteufeln und allen das Schuldenmachen austreiben wollen, denn kapitalistisches Wirtschaften ohne Schulden zu machen vorstellen. Woher kommt die Nachfrage, woher soll das Wachstum, die Gewinne kommen?
Zur Veranschaulichung: Im Blog von Paul Krugman findet sich dieser Tage ein Chart, der für die USA das Wachstum von Lohneinkommen und Produktivität von 1948 bis 2011 ins Verhältnis setzt und das seit den 1970ern andauernde Auseinanderlaufen verdeutlicht:
Ein Blick darauf legt die folgende Überlegung nahe: Wer hat und womit wurde denn der ganze immer produktiver und billiger erzeugte Ramsch konsumiert? Die aus dem Absatz und der Realisierung der produzierten Waren heraus bezahlten Löhne waren dafür offenbar nicht und immer weniger hinreichend. Dann war es wohl Verschuldung, mag es der Staat oder kreditfinanzierte Massennachfrage gewesen sein.
Aber auch dieses, aus dem Absenken der Löhne entstehende Problem beim Warenabsatz und der daraus folgende oft so benannte Exzess in der Schuldenmacherei in den letzten Jahrzehnten zeigt noch nicht, dass kapitalistisches Wirtschaften nicht nur bei derartigen Verwertungsproblemen Kreditfinanzierung notwendig macht. Schon aus sich heraus im Normalbetrieb, also unter der Annahme, dass Produktivität und Löhne einen gleichen Verlauf nehmen, braucht kapitalistisches Wirtschaften immer weitere Verschuldung. Denn: Kapital will verwertet werden, es soll Gewinn gemacht werden. Und jenem Teil der Warenproduktion, der zur Realisierung der Gewinne hergestellt wird, dem fehlt die notwendige Entsprechung auf der Lohnseite, der muss aber ebenfalls abgesetzt werden. Und das dafür notwendige Geld gibt es nur per Kredit.
Womit sich jedes Gerede um Nichtverschuldung, Schuldenabbau, oder dgl. erledigt hat, wenn es denn weiter Kapitalismus sein soll.
